Gründung einer Limited (LTD) in Österreich – Probleme bei der Gründung

Von am 17. Juli 2012 | 0 Kommentare »

Zu wenig Kapital für eine GmbH, aber dennoch keine Haftung? Da kommt die britische Limited (LTD, oder Ltd.) gerade recht. Das Haftungskapital ist beschränkt, wenn man möchte sogar mit einem britischen Pfund, und man erhält eine ähnliche Rechtsstellung wie mit einer österreichischen GmbH. Dennoch ist der Prozess nicht ganz einfach. Als Gründer, der überlegt eine Ltd. zu gründen, sollte man folgendes beachten:

 

1. Auswahl der “Agentur”

Es gibt verschiedene “Gründungsagenturen”, die die Gründung in England übernehmen. Teilweise sogar in 48 Stunden. Ich möchte hier keine Werbung machen, jeder der in Google eingibt “Limited Gründen” wird unzählige von diesen finden. Wer dann den Namen der Agentur und “Abzocke” eingibt, findet auch ganz erstaunliche Dinge. Viele der Agenturen sind selbst Limited’s (an sich nicht verwerflich), haben jedoch oft einen komischen Beigeschmack. Hier sollte man genau prüfen, mit wem man zusammenarbeitet. Entweder die Klientel, die eine Limite gründen möchte, ist besonders anspruchsvoll, oder die Branche hat viele schwarze Schafe. Also hier bitte Vorsicht walten lassen, und einen “Backgroundcheck” der Anbieter machen!

 

2. Steuerberater

Zu dem Steuerberater seiner Wahl gehen, bzw. einen neuen suchen der vielleicht sogar einige LTD’s betreut. Selbst machen kann uU. gefährlich werden, es ist doch eine doppelte Buchhaltung zu erledigen, und das kann nicht jeder selbst machen. Auch wenn es eine britische Firma ist, der Standort ist in Österreich und somit ist sie gleich zu behandeln wie eine österr. GmbH. Also Gewerbeordnung, Finanzamt, WKO, etc. die ganze Bandbreite gilt auch für die Limited.

3. Firmenbuchgericht macht Probleme

Bei Limiteds schaut das Firmenbuchgericht (nicht alle, hängt vom Standort ab) sehr genau hin. Es kann also sein, dass ein gültiger Mietvertrag vorzuweisen ist, bzw. bei einer Besichtigung geschaut wird ob es wirklich eine “Arbeitsstätte” gibt. Es sollen eben die typischen Briefkastenfirmen vermieden werden. Das sollte man im Hinterkopf behalten.

 

4. Mein erster Annual Return

Nicht vergessen: Mit der Gründung allein ist es nicht getan, in England muss jedes Jahr ein Annual Return eingereicht werden. Das übernehmen auch oft die Gründungsagenturen. Erwischt man da aber ein schwarzes Schaf, und die Agentur kommt dem nicht nach, haftet der Unternehmer selbst und muss sich darum kümmern. Das kann also durchaus zu Problemen im 2. Jahr führen.

 

5. Ich werde in England verklagt

Viele, die eine Limited gründen wollen, tun das aus Haftungsgründen. Dabei sollte man beachten, dass man jetzt eigentlich eine britische und eine österreichische Firma hat. Sollte es wirklich zu einer Klage kommen, steht man unter Umständen plötzlich in England vor Gericht. Dort gelten andere Gesetze als hier, und britische Anwälte sind nicht gerade günstig. Im Falle des Falles sollte man für so etwas auch gerüstet sein (Rechtsschutzversicherung, etc.)

 

6. Kunde fragt mich “Warum haben Sie eine LTD?”

Wenn mich der Kunde beim Verkaufsgespräch fragt: “Warum sind Sie eigentlich eine Limited?”, sollte man zumindest eine plausible Antwort haben. In Österreich werden die Firmen immer noch mit schiefem Köpft beäugt. Ich denke das wird auch noch eine Zeit so bleiben.

 

Ein Fazit: Limited sinnvoll?

Prinzipiell ist eine Limited keine schlechte Idee per se. Es passt meiner Meinung nach aber nur zu einer ganz kleinen Zielgruppe. Das sind für mich Unternehmen die hauptsächlich im Internet und vorwiegend an internationale Kunden verkaufen. Da macht die Limited nicht nur Sinn, sie ist wahrscheinlich sogar die Standard Rechtsform.

Für Unternehmen die hauptsächlich in Österreich ihr Geschäft machen, bzw. dann auch noch viel B2B Geschäft haben, ist die Limited ungeeignet. Man hat höhere laufende Kosten in den Folgejahren (verglichen mit einer GmbH) und man hat sämtliche Unsicherheiten der Punkte 1, 3, 4, 5, 6 mit an Board. Wenn man diese beseitigen möchte, steigen die Kosten nochmals an. Das Problem ist, es wird suggeriert dass eine LTD ja nur 49€ in der Gründung kostet. Was alles noch kommt, sagt einem aber keiner. Ich habe unten mal eine Kostenschätzung für eine Limited im ersten Jahr aufgestellt.

 

Kosten einer Limited im ersten Jahr

Diese Werte gelten nicht für alle Unternehmen, das hängt stark von der Komplexität des Unternehmens und den Buchungszeilen ab. Dennoch ein Richtwert mit rund 30 Buchungszeilen im Monat.

 

  • 800€ – Errichtung Limited+Übersetzungen
  • 1.500 € – Notariatskosten
  • 1.600€ – Buchhaltungskosten doppelte Buchhaltung
  • 1.000€ – Jahresabschluss & Überleitung auf UK Abschluss
  • 280€ – Laufende Kosten LTD
  • 352€ – Firmenbucheintragung Österreich
  • 71€ – Gewerbeanmeldung
  • 400€ – Kammerumlage (je nach Kammer)
Summe: 5.003€
Und hier sind noch keine sonstigen Ausgaben für das operative Geschäft, bzw. Beratungen von Anwälten, etc. inkludiert. Wer kann, und Connections hat, kann hier und da natürlich sparen. Ich will damit nur zeigen, dass die Limited um 49€ eine Illusion ist.
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Kategorie: SelbstständigStartupSteuerrecht

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Über C. Michael Hofbauer

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