StartUps und Kostenmanagement – Kosten einer Unternehmensgründung

Von am 9. Juli 2011 | 0 Kommentare »

Unternehmensgründungen sind teuer? Ach ja? Und wie teuer genau? Nun, viele Gründer wissen eigentlich gar nicht wie viel Geld ihr Unternehmen benötigen wird. Nun gut, man kann nicht alles richtig schätzen, und schon gar nicht verallgemeinern, da jedes Unternehmen schließlich “anders funktioniert”. Ich möchte hier aber einige typische Kostenpositionen aufschlüsseln, die bei Start Ups anfallen, woher man Informationen über die Höhe bekommen kann, und wie man manche Kosten vermeiden kann.

 www.xeer.eu, Weil Buchhaltung einfach sein sollte

 

Prinzipiell kann man folgende Ausgaben grob unterteilen:

Laufende Kosten

1. Personalkosten (Mitarbeiter, Geschäftsführer, …)

2. Mietaufwendungen

3. Zinskosten

4. Weitere laufende Kosten

Einmalige Kosten

5. Investitionen ins AV+UV

6. Sonstige (einmalige) Kosten

 

Wie wollen nun kurz durch alle Ausgaben schauen und Quellen für die Werte finden. Sprich: Wie finde ich heraus was mich das kostet? Das ist nämlich oft gar nicht so einfach, und bei jedem Unternehmen ein wenig anders: Eine Firma, die ein neues Getränk abfüllen will braucht wahrscheinlich viele Maschinen und Abfüllanlagen, welche viel Investition ins Sachanlagevermögen (SAV) bedeuten. Oder sie lagern die Produktion aus, dann benötigen sie vermutlich ein guten Vertrag und damit mehr Ausgaben in Rechtsberatung, und höhere laufende Ausgaben, da eine andere Firma für sie produziert. Eine Agentur für Webdesign benötigt kaum Investitionen ins SAV, außer vielleicht Software.

 

1. Personalkosten

Bei vielen Start Ups gibt es anfangs ohnehin keine Mitarbeiter. Für alle die welche haben, oder einen Geschäftsführer bestellen, stellt sich die Frage, was so ein Mitarbeiter effektiv kostet. Wie funktioniert das mit dem 13.+14. Gehalt? Kann man nicht einfach einen Werkvertrag machen?

Sollte ein Mitarbeiter benötigt werden, und dieser in den Räumlichkeiten des Unternehmens beschäftigt werden, so muss dieser auch angestellt werden! Mit Werkverträgen (also auf Rechnung) können kleinere Arbeiten, wie z.B. die Erstellung einer Website ausgelagert werden. Dafür muss man keinen Mitarbeiter anstellen.

Anstellung eines Mitarbeiters: Wenn ein Mitarbeiter angestellt wird, muss nicht nur der Bruttolohn bezahlt werden, sondern es fallen zusätzlich noch die alt-bekannten Lohnnebenkosten an. Zur Berechnung schaut man am besten beim BMF-Rechner nach (Bruttolohn eingeben und dann bei Dienstgeber schauen).

Vermeidung einer Anstellung: Das geht entweder über einen Werkvertrag (wie gesagt aber nur bei ausgelagerten Tätigkeiten legal). Alternativ kann man auch versuchen, z.B. einen genialen Kopf für das Unternehmen zu begeistern, und ihn als Geschäftspartner zu gewinnen.

Zu beachten: Ist eine Anstellung erfolgt, kann ein Mitarbeiter nicht einfach wieder gekündigt werden. Diese Kosten können also nicht von heute auf morgen abgebaut werden, sondern es müssen die gesetzlichen Fristen eingehalten werden.

 

2) Mietaufwendungen

Die Miete eines Büros/Standorts belastet jeden Monat das Geschäftskonto. Je nach benötigtem Standort kann die Miete variieren. Am besten du sprichst mit einem Makler deiner Wahl, oder erkundigst dich in Business Parks, Gründercentern, etc.

Vermeidung von Mietkosten: Viele Unternehmer fangen in der Garage, im Keller, oder einfach im Home Office an. Manche bleiben auch immer dort. Wenn du eine neue Autobatterie produzieren willst, musst du nach Gewerberecht natürlich einen entsprechenden Standort beziehen. Für diese Unternehmer gilt: Preise vergleichen, und außerhalb von Städten in Industrievierteln anmieten.

Zu beachten: Zur Miete kommt oft noch eine Provision für den Makler, und eine Kaution für das Objekt dazu.

 

3) Zinskosten

Für Kredite müssen meist monatlich Zinsen entrichtet werden. Je nach Kredit können auch zinsfreie Perioden vereinbart werden. Am besten du besprichst dein Vorhaben mit deiner Bank, die geben dir eine detaillierte Auflistung der Zinskosten pro Monat.

Vermeidung von Zinskosten: Wenn möglich, sollte ein Kredit vermieden werden. Ist dieser aber essentiell (Großinvestitionen), so kann man versuchen über Förderungen und Garantien (z.B. von der AWS) die Zinskosten zu reduzieren, indem das Ausfallrisiko für den Kreditgeber reduziert wird.

Zu beachten: Beim Vergleich auf die effektive Verzinsung achten (und auch nachfragen!): oft klingt ein Angebot interessant, mit einmaligen Kosten und Abzügen steigt der Zinssatz dann aber stark an. Auch die Tilgung berücksichtigen: der Kredit soll ja auch irgendwann mal zurückbezahlt sein!

 

4) Weitere laufende Kosten

Es gibt unzählige weitere laufende Kosten, die oft monatlich oder quartalsweise anfallen. Diese sind bei jedem Unternehmen unterschiedlich. Einige Klassiker sind z.B. folgende:

Leasinggebühren: Für Autos, Maschinen, … die Gebühren können bei der Leasingbank erfragt werden.

Versicherungen: Für das Unternehmen gibt es unterschiedliche Versicherungen: Einbruch, Diebstahl, Stillstand, etc. Nicht alle machen wirklich Sinn, am besten man setzt sich mit einem Versicherungsbüro seines Vertrauens auseinander.

Laufende Kosten IT: IT-lastige Unternehmen, die z.B. Datencenter anmieten, Software mieten, etc. haben laufende Auszahlungen für die IT Infrastruktur. Preise beim Anbieter erfragen.

Telefon/Internet: Das benötigt fast jedes Unternehmen. Es gibt da bereits Fixangebote (Internet+Telefon+Website für XX.XX€). Bei den großen Anbietern schlau machen, und Preise vergleichen. Die Angebote wechseln jeden Monat!

Steuerberatung: Wer sich nicht selbst über die Buchhaltung traut kann in Absprache mit dem Steuerberater die Buchhaltung komplett auslagern. Das kostet je nach Unternehmen unterschiedlich viel (je nach dem welche Rechtsform, und wie viele Eingangs und Ausgangsrechnungen erfasst werden müssen).

Abgaben/Steuern: Diese sind zwar meist abhängig vom Gewinn, dennoch sollten sie in die Betrachtung mit einfließen. Abgaben fallen immer an (z.B. Rundfunkgebühren für die Betriebsstätte), Steuern nur erfolgsabhängig (es gibt aber auch einen Sockelbetrag wie z.B. die Mindest-KöSt bei einer GmbH). Bei einer Personengesellschaft (Einzelunternehmen, KG, OG, GesbR) wird die Einkommenssteuer herangezogen (zwischen 0-50%), bei einer Kapitalgesellschaft fällt die Körperschafts Steuer an (25%). Diese “Kosten” kannst du gleich bei dem Termin mit dem Steuerberater klären. Der erste Termin ist dort meist gratis!

Unternehmerlohn: Der Gewinn der entnommen werden soll, kann auch als Ausgabe gesehen werden. Wenn der Unternehmer als 3.500€ monatlich entnehmen will, dann fließt das in die Kalkulation mit ein.

Weitere laufende Kosten: Je nach dem was dein Unternehmen so macht … wenn du ein Schwimmbad aufmachst werden die Wasserkosten auch ins Gewicht fallen. Ideen hierzu sind: Kosten für Werbung, Pressearbeit (PR), Vertriebskosten (Messen, etc), Gerichtskosten, Lizenzkosten, Patente, Franchisegebühren, …

5) Investitionen ins AV oder UV

Je nach Unternehmen fallen Investitionen ins Anlagevermögen (AV) oder Umlaufvermögen (UV) an.

Anlagevermögen beinhaltet alle Investitionen für Güter, die langfristig im Unternehmen bleiben und nicht zum Verkauf gedacht sind: Computer, Schreibtische, Software, Server, Drucker, Maschinen, KFZ, usw. Am besten du holst die Kostenvoranschläge für die Güter, oder bei Listenpreisen der Hersteller nach.

Vermeidung von Investitionen ins AV: In Bürocentern sind die meisten Sachen wie Drucker, Schreibtisch etc. bereits vorhanden. Oft gibt es auch gebrauchte, gut funktionierende Maschinen, die nur einen Bruchteil des Preises ausmachen.

Umlaufvermögen: sind Investitionen in Waren, die zum Verkauf stehen. Was auch immer dein Unternehmen verkauft, muss vorher auch eingekauft werden: Lebensmittel, Computer, Bücher, Autos, … Preise gibt es beim Großhändler, oder beim Zulieferer.

Vermeidung von Investitionen ins UV: Oft geben Lieferanten ein Zahlungsziel von ein paar Wochen oder Monaten. Bis dahin hast du die Waren (hoffentlich) schon verkauft, und hast das Geld vom Kunden schon erhalten.

6) Sonstige (einmalige) Kosten

Neben den schon genannten Kosten gibt es noch weitere (einmalige) Kosten, die bei einer Unternehmensgründung anfallen:

Gründung Gesellschaft: Von Notarkosten (bei einer GmbH), der Gewerbeberechtigung, bis hin zur Eintragung im Firmenbuch kommen allein für die Gründung eines Unternehmens Kosten auf dich zu. Bei Personengesellschaften ist der Betrag aber überschaubar. Genaue Angaben bekommst du bei der WKO in deiner Nähe. Die Leute dort sind wirklich freundlich und helfen jedem individuell weiter.

Website, Visitenkarten, Business-Ausstattung: Dazu wendest du dich am besten an eine Werbeagentur. Viele machen aber gerade am Anfang die Sachen auch selbst, und warten ein paar Monate, bis das Geschäft läuft.

Elektroinstallationen: Wenn nötig. Kostenvoranschlag vom Elektriker.

Beratung (Steuerberatung): Manche Gründungen sind heikel, wenn es um steuerliche Aspekte geht, oder auch um Auflagen, die Gewerbeordnung, etc. Da empfiehlt es sich, bei einem kompetenten Berater vorbeizuschauen und sich das Know-How einzukaufen. Dort erfährt man auch Preise für die Auskunft.

Sonstige Kosten: Eine (Kosten)Reserve sollte in Höhe von 5-10% eingeplant sein. Oft werden Kosten eher zu pessimistisch gerechnet, oft zu optimistisch. Manchmal kommen noch Kosten auf einen zu, an die man einfach nicht gedacht hat, oder denken konnte.

weitere Kosten: Je nach Unternehmen können noch viele weitere Kosten anfallen wie z.B. eine große Werbekampagne für den Start, Reisekosten, Patentkosten, Markenschutzrechte, usw.

Auf den ersten Blick sieht das ganz schön schlimm aus. Das muss aber relativiert werden: Nicht bei jedem Unternehmen fallen alle Kosten an. Bei vielen Unternehmensgründungen fallen kaum Kosten an, da Kosten entweder reduziert oder in die Zukunft verlagert werden können. Dieser Artikel soll einen ersten Überblick über die Kosten geben, vielleicht sind auch die einen oder anderen Sachen dabei, die bei speziellen Unternehmen noch dazukommen. Wenn du einen Post erstellst (unten), füge ich deinen Input gerne im Artikel dazu!!

 

Hier noch eine kurze Übersichtsgrafik über die Kostenpositionen:

 

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Kategorie: FinanceStartup

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Über C. Michael Hofbauer

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