Umsatzsteuer (USt) abführen iOS und Android: Wie verrechne ich die USt in Österreich?

Von am 26. Januar 2013 | 13 Kommentare »

Du verkaufst Apps über den Appstore oder Google Play in die ganze Welt? Dann hast du dich sicher schon gefragt, was du bei Google als Steuersatz eingeben sollst. Die beiden Plattformen (iOS & Android) funktionieren ein wenig unterschiedlich, und wer alles richtig machen will mit der Umsatzsteuer, der ist ganz schön gefordert. Wir haben in den letzten Wochen das Thema viel diskutiert und recherchiert. Die Ergebnisse möchte ich euch hier vorstellen. Vielleicht hilft das dem einen oder anderen weiter. Wenn jemand Tipps hat, oder unsere Rechtsansicht nicht teil, könnt ihr uns gerne in den Kommentaren unten Bescheid geben!

Das ist keine rechtsverbindliche Auskunft, sondern die Auffassung die unser Steuerberater und wir vertreten!!  Das ersetzt bei weitem keine Steuerberatung, auf die Angaben gibt es keine Garantie! Das ist nur unsere Rechtsauffassung!

 

Umsatzsteuer von App-Verkäufen generell

Wenn man ein Produkt verkauft (im Inland) muss man als Unternehmer Umsatzsteuer verrechnen (20% in Österreich, 19% in Deutschland, etc.). Eigentlich müsste man bei jedem Verkauf eine Rechnung erstellen (obwohl es keine Pflicht gibt, zwingend dem Kunden eine Rechnung auszustellen, das muss man nur auf Verlangen des Kunden tun!). Für das Innland ist der Verkauf also prinzipiell mit 20%USt. zu besteuern. Für das EU Ausland (vor allem für kleine App Entwickler, die z.B. keine deutsche UID Nummer haben/beantragt haben) wären ebenfalls 20% USt. in Rechnung zu stellen. Der Rest der Welt wird schon schwieriger, hier müsste man theoretisch prüfen, wie die USt. im Zielland gehandhabt wird, sodass man sie dort richtig abführen kann. Das macht Sinn wenn ich eine Maschine um 500.000€ in ein Land XY verkaufe, aber wenn ich  3 Apps zu je 0,89€ dorthin verkaufe, dann ist der Aufwand da schon recht hoch. Außerdem helfen uns ja die Appstores, dieses Problem zu lösen? Oder? Leider nicht ganz …

 

Umsatzsteuer unter iOS (Apple)

Laut “Schedule 2″ des iOS Developer Program License Agreement, sagt Apple wie sie die Appverkäufe an Privatkunden halten. Hier fallen die meisten Apps rein (Spiele, Tools, Education, etc.) da diese immer an Privatpersonen verkauft werden. Hier teilt Apple die Länder in 2 Kategorien ein: Exibit A und Exibit B. Prinzipiell steht hier, dass Apple in gewissen Ländern als “Agent” tätig wird, in anderen Ländern als “Komissionär”. Der Unterschied ist, das Apple in manchen Ländern die USt. mit einhebt und abführt, in anderen Ländern jedoch nicht.

Im Exhibit B steht, dass Apple in den Ländern wie z.B. (fast gesamte) EU, USA, Canada, etc. die USt. einbehält und abführt. D.h. Apple verkauft in eigenen Namen die Apps und führt die USt. in Luxemburg ab. Gut das ist fein, da brauchen wir uns also nicht mehr kümmern. Wie wir das dann handhaben, sage ich im Fazit!

In anderen Ländern wie z.B. Albanien, Ukraine, etc. tut Apple das nicht. Da ist man quasi selbst am Zug. Jetzt müsste man eigentlich jedes Land einzeln prüfen, wohin die Verkäufe gegangen sind. Sprich, ein Aufwand der eigentlich nicht zu bewältigen ist.

Weiteres Problem: Man bekommt von Apple eigentlich keinen brauchbaren Beleg für die Überweisungen. Herauszufinden wann, wo, was und zu welchem Wechselkurs verkauft wurde ist nicht richtig möglich. Man hat einfach eine Überweisung am Konto.

Fazit & Handhabung iOS (AppStore)

Nachdem Apple in der EU auf eigenen Namen verkauft, und die USt in Ihrem Namen ausführt, ist die Steuerpflicht in der EU, USA, etc. erledigt. Dafür stellen wir Apple eine Rechnung mit dem Verweis auf “Reverse Charge”, d.h. ohe USt. Da wir für den Rest der Welt eine Ausfuhr haben, verrechnen wir hier auch 0% USt. Über den Gesamtbetrag, den uns Apple auf das Konto überweist, schreiben wir an Apple also eine Rechnung mit ReverseCharge (0%USt.). Wir schicken die Rechnung natürlich nicht wirklich an Apple, die interessiert das nämlich nicht!

 

Umsatzsteuer unter Android (Google Play)

Google macht es sich viel einfacher. Sie wälzen einfach alles auf den App-Entwickler ab. Man ist selbst dafür verantwortlich wo, ob und wieviel USt. man einhebt. Google hat damit nichts zu tun und trägt auch keine Verantwortung. Man muss die USt. Sätze selber angeben. Zu beachten ist hier nur, dass man die USt. dort wirklich auch als Ust. angeben sollte. Wenn man z.B. einfach nur 20% auf den Verkaufspreis anrechnet, dann erhöht sich nämlich auch der 30% Anteil, den Google als Gebühr für den Verkauf einhebt. So bleibt im Endeffekt weniger für den Entwickler übrig.

Im Google Merchant Account kann man verschiedene Einstellungen für die Umsatzsteuer einstellen. Entweder in verschiedenen Zonen oder wirklich Land für Land separat (Wow, was für eine Arbeit)

 

Fazit & Handhabung Android (Google Play)

Nachdem wir bei Google selbst alles einstellen müssen und wir selbst für alles verantwortlich sind, haben wir uns für folgenden Weg entschieden. Im Google Merchant Account kann man verschiedene TAX-Zones auswählen. Wir haben für die EU einen Steuersatz von 20% gewählt (für Deutsche wären es dann 19%). Die hebt Google automatisch beim Appverkauf ein. Für alle anderen Länder der Welt können wir dann keinen Steuersatz mehr angeben, der wird dann automatisch 0% betragen! Am Ende des Monats verbuchen wir die EU-Verkäufe mit den 20% und führen die USt. entsprechend ab, bei allen anderen Verkäufen führen wir keine USt. ab.

 

Mit den Methoden haben wir zumindest in unserem Land (Österreich) die Steuerverpflichtungen alle erfüllt. Das Prüfen aller Länder ist vom Aufwand her einfach nicht bewältigbar. Jedoch kann es sein, dass wir in gewissen Ländern der Welt gegen Umsatzsteuerregeln verstoßen. Das nehmen wir vorerst in Kauf.

 

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Kategorie: StartupSteuerrecht

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Über C. Michael Hofbauer

C. Michael Hofbauer ist ein junger Unternehmer voller Ideen, der es liebt Unternehmen am Markt erfolgreich zu positionieren und Kunden zu begeistern. Der perfekte Autor für diesen Blog also. mehr über C. Michael Hofbauer

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13 Kommentare

  1. Jakob sagt:

    Hallo

    heißt das, dass ich als Privatperson (ohne Unternehmen) zumindest in den Exibit A Regionen “bedenkenlos” Apps verkaufen kann, ohne das ich meine Einnahmen extra Versteuern muss?

    • Hi Jakob!

      Umsatz-Steuerrechtlich ist das eine Sache. Ja du könntest Apps so verkaufen, ohne dass du dich um die Umsatzsteuer kümmern musst. Apps “verkaufen” als Privatperson ist gewerberechtlich natürlich problematisch. Du verkaufst Apps, daher bist du auch ein Unternehmen und musst dieses laut GewO anmelden. Und Einkommenssteuerrechtlich ist das wieder eine andere Sache, da sind eine Einkünfte natürlich immer relevant ;)

      lg, mike

  2. Wenn man als Unternehmer Apps einkauft, sollte doch eigentlich das Reversed Charge-Verfahren innerhalb Europas gelten, d.h. in diesem Fall wird der Einkäufer selbst umsatzsteuerpflichtigt und die Umsatzsteuer darf andererseits vom Verkäufer nicht in Rechnung gestellt werden.

    Bei Google Adwords wird beispielsweise innerhalb Europas (außer Irland) keine Umsatzsteuer ausgewiesen, da Google in Irland registriert ist.

    • Ja das stimmt. Das Problem ist nur, wie weiß der Verkäufer, dass die App von einem Unternehmer gekauft wurde? Es gibt ja keinen Button “Kaufe die App als Unternehmen”. Ich kenne derzeit keinen Weg, herauszufinden welcher Käufer Unternehmer ist und wer nicht.

    • Jan sagt:

      Google Play erlaubt garnicht erst einkäufe als Gewerbe, die entsprechenden Google Accounts sind immer an Privatpersonen gebunden, daher tritt Reversed Charge innerhalb der EU nie ein.

  3. Stefan sagt:

    Danke für die gute Schilderung. So zusammengefasst habe ich das nirgens gefunden. Eine Frage ist offen geblieben: wie sieht der Beleg aus, den Ihr für Google erstellt? Bei Apple ist es eine Rechnung mit Reverse Charge. Bei Google hat man ja das Problem, das man einerseits die Umsatze mit UST. hat und andererseits die ohne. Mir ist auch nicht 100% klar ob Google als Agent oder Kommissionär auftritt. So weit ich das durchblicke ist Google IMMER Kommisionär?

  4. Oliver sagt:

    Steuerpflichtig ist man doch eigentlich nur in seinem eigenen Land. Würde man im Falle Google also nur die im Heimatland getätigten Umsatzsteuer ehrlich abführen, ist es dem Finanzamt sicherlich recht so, für andere Länder ist es nicht zuständig. Die Einkommenssteuer ergibt sich allerdings aus den Einnahmen aus allen Ländern, abzgl. der Umsatzsteuer des Anteiles der Verkäufe im Heimatland.
    Google wird sicherlich nicht einem ausländischen Finanzamt Bescheid geben, das es eigentlich noch von der oder der App Umsatzsteuer bekommen müsste.

    Professioneller ist sicherlich der Weg von Apple bzw. Microsoft, die die USt ihrerseits jeweils pro Land abführen.

  5. Ich bin Kleingewerbetreibender und muss daher (eigentlich) bis zu einer gewissen Grenze gar keine Umsatzsteuer abführen. Wenn ich also meine App über den Appstore von Apple in Deutschland vertreibe, kann ich dann die Umsatzsteuer zurückfordern?

  6. Fritz sagt:

    Als Kleingewerbetreibender muss man weder eine Ust-Id besitzen noch eine Mwst angeben, blöderweise erlaubt Google aber nicht, 0% als Steuersatz anzugeben. Mal sehen, vlt. geb ich einfach 1% an…

  7. Alex sagt:

    “Am Ende des Monats verbuchen wir die EU-Verkäufe mit den 20% und führen die USt. entsprechend ab, bei allen anderen Verkäufen führen wir keine USt. ab”.

    Leider geht es so leicht nicht. Zumindest nicht bei uns in Deutschland. Apps über den Android Play Store zu verkaufen fallen unter, “Sonstige Leistung”. D.h. für alle Verkäufe innerhalb der EU fällt (wie schon korrekt angeführt) die Inlands-Mehrwertsteuer an. Falls der gesamte Umsatz jedoch bestimmte Limits nicht überschreitet (In Deutschland 17500€ mit Kleinunternehmensregelung) kann auf die ganze Mehrwertsteuer-Problematik sogar ganz verzichtet werden.

    Das Problem ist jetzt aber das EU-Ausland. Laut folgender Quelle, ist der App-Verkauf dann “nicht steuerbar”
    (http://www.stuttgart.ihk24.de/international/import_export/Export/966876/Softwareverkaeufe_ins_Ausland.html#4 Sonstige Leistung + EU-Ausland + Privatperson )

    Das bedeutet man muss die Steuern des Landes, in dem die App verkauft wird, tatsächlich selbst abführen. Und das geschieht in der Google Developer Konsole über die einzelnen Einstellungen per EU-Ausland.

    Jetzt hab ich aber mal zumindest für USA geschaut ab wann man da Steuern (sales tax) für Online-Downloads überhaupt zahlen muss. Mit dem Stichwort: “small seller exception” wurde 2013 eine sehr großzügige Regelung von einer 1 Million $- Umsatzgrenze der Verkäufer festgelegt. Also, wenn ich das richtig sehe, müssen wir uns darüber schon mal keine Gedanken machen. Aber was mit Russland oder Asien ist weiß ich nicht. Ich denke da wird es auch irgendwelche Grenzen geben, ab wann man für Online-Güter besteuert wird (Ist anscheinend weltweit gerade ein heikles Thema und Gesetzestexte dazu werden angepasst oder sogar gerade erstmal verfass). Wenn nur selten Käufe aus diesen Ländern zustande kommen, kann man auf Nummer sicher gehen in dem man in der Developer Konsole einfach diese Länder deaktiviert. Der Umsatzrückgang ist sicher zu verkraften ;)

  8. Angelika sagt:

    Hallo C. Michael Hofbauer!
    Bin gerade über deinen Beitrag gestolpert. Mich würde nur folgendes noch interessieren: wenn du monatlich eine Rechnung mit dem Hinweis Reverse Charge an Apple legst (die du nach deiner Angabe nicht verschickst) was machst du dann mit deiner ZM (zusammenfassende Meldung)? Nimmst du diese darin auf? Eigentlich ist man ja dazu verpflichtet…. Wie sieht deine UVA aus? Machst du Vorsteuerbeträge geltend?
    Würde mich über deine Rückmeldung wirklich freuen!

  9. Marcell sagt:

    Unter folgender Adresse (https://support.google.com/googleplay/android-developer/answer/138000?hl=de) steht:

    “Aufgrund einer Änderung des Mehrwertsteuerrechts in der Europäischen Union (EU) ist Google ab dem 1. Januar 2015 dafür verantwortlich, für EU-Kunden die Mehrwertsteuer für alle im Google Play Store erworbenen digitalen Inhalte auszuweisen, zu berechnen und abzuführen. Google wird die Umsatzsteuer aus digitalen Käufen von EU-Kunden an die jeweils zuständige Behörde abführen.”

    Sprich das ganze hat sich innerhalb der EU erheblich vereinfacht. ;-)

  10. Volker sagt:

    Für die EU hat sich die Problematik ja deutlich gebessert, aber wie sieht es mit dem Rest der Welt aus?
    Hat jemand da verlässliche Informationen?
    Ich war heute beim Steuerberater, und auch der weiß leider nicht verlässlich bescheid, und meint eher das man in jedem Nicht-EU Land die Steuer abführen muss.
    Was natürlich einen riesen Verwaltungsaufwand darstellt.

    Wäre über Hilfe sehr dankbar!

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