Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer Kleinunternehmer – Muss ich Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer abführen?

Von am 17. Oktober 2011 | Kommentare deaktiviert

Fragen des Steuerrechts für Kleinunternehmer, einfach und verständlich erklärt


 

Umsatzsteuer ist eine, wie das Wort schon erklärt, Steuer auf Umsätze. Das heißt, bei jedem Umsatz den ich mache (Verkäufe, Projekte, …) und eine Rechnung stelle, kann auch Umsatzsteuer anfallen. Aber halt!!! Noch nicht aufhören zu lesen. Es muss nämlich nicht unbedingt Umsatzsteuer anfallen. Es kommt ganz auf dein Unternehmen an. Dieses heiße Thema will ich hier so einfach wie möglich darstellen. Also ran an die Arbeit.

 

 

Was ist Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer eigentlich?

 

Zuerst gleich folgendes: Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer ist ein und die selbe Steuer … und wir sagen in Zukunft nur noch USt. dazu. Mehrwertsteuer wird sie auch deswegen genannt, weil der Mehrwert besteuert wird … nicht etwa davon, dass die Steuer immer mehr wird!  Das will ich gleich noch erläutern. Soviel sei noch gesagt: Umsatzsteuer ist im Gegensatz zur Einkommenssteuer eine Verkehrssteuer. Sie ist nicht erfolgsabhängig … also egal ob dein Unternehmen gut oder schlecht läuft: sie fällt immer an! Bei jedem Verkauf, bei jeder Rechnung wird sie fällig (Notiz: Ausnahmen kommen noch!).

 

Ein kurzes Gedanken-Experiment: Du kaufst ein Produkt bei deinem Lieferanten ein. Das kostet dich 120€ (100€ + 20% USt) Du verarbeitest dieses Produkt, legst es in dein Schaufenster, und wartest auf den ersten Kunden. Frau Müller ist natürlich sofort interessiert. Frau Müller verkaufst du dieses Produkt um 300€ (+20%Ust) … macht also 360€ insgesamt. Es hat jetzt den Anschein, als wenn die Steuer bei jedem Verkauf immer teurer wird (zuerst 20€ … dann nochmals 60€) … Vater Staat würde gut verdienen, wenn es wirklich so wäre, und unsere Produkte wären um ein vielfaches teurer.

 

In Wirklichkeit ist es so: Unternehmer zahlen untereinander keine USt. Das heißt von den 120€ bekommst du 20 wieder zurück. Die Umsatzsteuer kann sich ein Unternehmer wieder zurückholen. Man nennt das „Vorsteuer“ oder „Vorsteuerabzug“. Ein Unternehmer kann einen Computer vom Mediamarkt also um 20% günstiger einkaufen. Erst der Endverbraucher zahlt die Steuerlast (hier Frau Müller … sie zahlt 60€). Besteuert wird also nur der „Mehrwert“ … die Steuer wird nicht immer mehr wert!

 

Ich stelle eine Rechnung! Muss ich Umsatzsteuer abführen?

 

Umsatzsteuer darfst (musst) du nur in Rechnung stellen, wenn du vom Finanzamt eine UID Nummer (Umsatzsteuer Identifikations Nummer) bekommen hast. Wenn nicht, dann KEINE (!) in Rechnung stellen. Studenten die eine einmalige Rechnung für eine Arbeit stellen wollen geben also bitte keine USt an!

 

Freiwillig kann jeder Unternehmer Umsatzsteuer abführen (sofern er eine UID Nummer hat). Es muss aber nicht jeder. Kleinunternehmer (Umsatz <30.000€) müssen keine USt abführen. Sollten sie den Umsatz von 30.000€ innerhalb von 5 Jahren einmal um 15% überschreiten, werden sie Umsatzsteuerpflichtig (das heißt auch Nachzahlung für das Jahr!)

 

Notiz: Für manche Kleinunternehmer macht diese Regelung wirklich Sinn. Wer weiß, dass er nicht über 30.000€ Umsatz kommt, und hauptsächlich an Privatkunden verkauft, der hat damit einen Preisvorteil. Eine Rechnung von 100€ + 20% USt sind 120€. So kann er die Rechnung ohne USt auf 100€ stellen. Der Nachteil bei der Geschichte: Er kann auch die Vorsteuer nicht abziehen. Kauft der Unternehmer also Waren, muss er die USt. bezahlen.

 

 

Wann und wo muss ich Umsatzsteuer abführen?

 

Die Abgabe muss vom Unternehmer selbst errechnet werden. Man zählt also die Steuern der Eingangsrechnungen und der Ausgangsrechnungen zusammen. Wenn ich Waren kaufe, bekomme ich Vorsteuer zurück (+) … wenn ich Rechnungen stelle muss ich USt abführen (-). Es kann also Monate geben (wenn ich z.B. eine teure Maschine kaufe), an denen ich sogar Geld bekomme!

 

Der Wert, der bei der Rechnung rauskommt, nennt man Zahllast, oder Umsatzsteuerzahllast. Das ist der Wert, der an das Finanzamt zu zahlen ist.

 

Man errechnet diesen Wert entweder monatlich (wenn man mehr als 100.000€ Umsatz pro Jahr hat) … sonst vierteljährlich. In dem Zeitraum muss dann an das Finanzamt gemeldet werden. Die Meldung funktioniert Online mittels Umsatzsteuervoranmeldung.

 

Die Anmeldung und Zahlung muss spätestens am 15. des zweitfolgenden Monats getätigt sein.

 

Praxisbeispiel Umsatzsteuer: Ein Unternehmer hat 15.000€ Umsatz, hat sich aber dennoch entschieden Umsatzsteuer abzuführen, da er hauptsächlich mit Firmenkunden arbeitet. Er muss auf allen Rechnungen die Umsatzsteuer ausweisen, und kann sich die Vorsteuer von seinen betrieblichen Einkäufen zurückholen. Der UVA Zeitraum ist das Vierteljahr (also alle 3 Monate). Er rechnet also alle USt Zahlungen und Vorsteuerzahlungen von Januar, Februar und März auf. Am 31.März gibt das eine Summe von XX,XX €. Jetzt hat er Zeit bis zum 15. Mai um die Voranmeldung zu tätigen (mittels UVA) und den Betrag ans Finanzamt zu überweisen. Er kann natürlich auch gleich am 01. April melden und bezahlen ;)

 

 

Ich hoffe das hilft, ein paar Fragen zu beantworten. Die Angaben oben sind ohne Gewähr, Stand der Informationen ist Oktober 2011.

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Kategorie: AllgemeinFinanceSteuerrecht

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Über C. Michael Hofbauer

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